Vermessungs- und Absteckkonzepte für Umbauten

Beim bauen im Bestand führen ungenaue Bestandsgrundlagen, fehlende Georeferenzierung und laufende Veränderungen während der Ausführung oft dazu, dass das das Abstecken nicht trivial ist.

Wir entwickeln projektspezifische Vermessungs- und Absteckkonzepte, die sicherstellen, dass Geometrien zuverlässig und nachvollziehbar von der Planung in die Ausführung übertragen werden.


Problemstellung

Typische Herausforderungen bei Umbauten:

  • Bestandspläne stimmen nicht mit der Realität überein oder fehlen
  • Geometrien sind nicht durchgängig georeferenziert
  • Vollständige Gebäudeaufnahmen sind oft erst während der Ausführung möglich
  • Schwierigkeiten an den Schnittstellen zwischen Rohbau, Ausbau und Fassade aufgrund verschiedener Achssysteme
  • Anschluss neuer Bauteile mit geringen Toleranzen an bestehende Bauteile mit hohen oder unbekannten Toleranzen
  • Zwängungen zwischen bestehenden Anschlusspunkten bspw. beim Anschluss an mehrere Treppenhäuser mit bestehenden Bodenbelägen

Arbeiten mit Bestandsplänen

Bei der Arbeit mit Bestandsplänen muss entschieden werden, ob die Bestandspläne nachträglich referenziert werden sollen, um tachymetrische Absteckungen zu ermöglichen, oder ob sämtliche neuen Geometrien vom Bestand aus eingemessen werden sollen.

Beide Varainten haben Vor- und Nachteile und eignen sich in unterschiedlichen Situationen.

Nachträgliche Referenzierung

Bei der nachträglichen Referenzierung werden markante Punkte am Bauwerk aufgenommen und die Bestandspläne so gedreht und verschoben, dass die Position der aufgenommmen Bauteile auf dem Plan zu deren Position am Bauwerk passt. Ohne die Bestandspläne zu verzerren, lässt sich dies jedoch nur für zwei Punkte auf dem Plan sicherstellen. Bei grossen Grundrissen oder ungenauer Ausführung des Bestands kann es bei anderen Bauteilen schnell zu grossen Abweichungen kommen.

Eine nachträgliche Referenzierung für tachymetrische Absteckungen stellt in der Regel sicher, dass die neuen Geometrien in sich stimmig auf das Bauwerk übertragen werden. Das heisst, dass die relative Lage zweier neuer Wände zu einander, auch wenn diese beispielsweise auf verschiedenen Geschossen liegen, sehr genau der relativen Lage auf dem Plan entspricht. Dies eignet sich zum Beispiel, wenn ein neuer Innenausbau innerhalb eines grossen leeren Raums mit wenig Schnittstellen zum Bestand erstellt wird.

An allen Schnittstellen zum Bestand muss bedacht werden, wie Abweichungen zwischen dem referenzierten Plan und dem tatsächlichen Bestand aufgenommen werden können. Schliesst beispielsweise eine neue Türöffnung auf einer Seite an eine neue Wand und an der anderen an eine bestehende an, ist bei einer tachymetrischen Absteckung weder sichergestellt, dass die neuen Wände in einer Flucht liegen, noch, dass neue Türöffnung die geplante Durchgangsbreite einhält.

Bestandsorientierte Absteckung

Wenn alle neuen Geometrien von bestehenden Bauteilen aus eingemessen werden, lässt sich die Schnittstelle zwischen Bestand und Neubau in mindestens einem Punkt genau ausführen. Wenn neue Bauteile jedoch mehrere bestehende Bauteile verbinden, entstehen Zwängungen. Es können nicht alle in der Planung vorgegebenen Masse oder Winkel eingehalten werden. Es empfiehlt sich daher bereits in der Planung zu definieren welche Masse weich sind und welche nicht, damit bspw. Durchgangsbreiten sichergestellt sind.

Ein weiteres Problem resultiert daraus, dass neu Bauteile welche von verschiedenen bestehenden Bauteilen aus eingemessen wurden, relativ zueinander in der Regel nicht wie vorgegeben stehen. Beispielsweise treffen sich zwei Wände, welche von verschiedenen bestehenden Stützen aus eingemessen wurden, wahrscheinlich nicht, wie im Plan angenommen, im rechten Winkel. Leitungen, welche von der Unterkante der Decken eingemessen werden, haben oft nicht das gewünschte Gefälle. Deckendurchbrüche, die in verschiedenen Geschossen von bestehenden Wänden eingemessen werden, stehen unter Umständen nicht genau übereinander.

Diese Probleme lassen sich durch ein durchdachtes Absteckkonzept und sorgefältige Planung vermeiden.

Arbeiten mit Gebäudeaufnahmen

Wenn der Bestand gescannt wird, sodass eine referenzierte geometrische Grundlage, die mit geringen Abweichungen der Wirklichkeit entspricht, zur Verfügung steht, entschärfen sich die obengenannten Probleme weitestgehend. Die neuen Geometrien werden direkt in die bestehenden konstruiert. Die Entscheidungen, wie Bestand und Neubau aufeinander treffen werden bereits beim Zeichnen getroffen. Auf der Baustelle wird mit einer referenzierten Grundlage, die den Bestand mit minimalen Toleranzen wiedergibt ein effizientes Arbeiten ermöglicht.

Bei Umbauten unter Betrieb oder wenn die Planung bereits während der alten Nutzung weit voran getrieben wird, ist die Möglichkeit mit Gebäudeaufnahmen zu Arbeiten jedoch oft eingeschränkt, da die relevanten Bauteile verkleidet sind und Aufnahmen erst unmittelbar vor der Ausführung möglich sind.


Unser Ansatz

Wir entwickeln, gemeinsam mit der Architektur, ein projektspezifisches Absteckkonzept.

Die Grundlagen dafür bilden:

  • Verständnis der Anatomie des Gebäudes (Achssysteme, Rasterrungen)
  • Verständnis der Abhängigkeiten (bspw. am Übergang zwischen Ausbau und Fassaden)
  • Randbedingungen für Aufnahmen und Planungsvorläufe
  • Qualität der Bestandsunterlagen

Zentrale Elemente des Absteckkonzepts sind:

  • Definition der Methodik, ggf. unterschieden nach Bauteil und Phase sowie Lage und Höhe
  • Definition von Achsystemen
  • Einheitliche definition der Plandarstellung für Achsen und Vermassungseraten

Dabei geht es nicht um Vermessung im engeren Sinn, sondern um die Definition einer funktionierenden Systematik für die Ausführung.

Nach der Entwicklung des Konzepts begleiten wir gerne die Umsetzung in Planung und Ausführung.


Ziel

Ein funktionierendes Absteckkonzept sorgt dafür, dass:

  • die Ausführung auch bei ungenauen Bestandsgrundlagen möglich ist
  • Abweichungen früh erkannt werden
  • Schnittstellen funktionieren
  • Türen so breit sind wie sie sein sollen,
    Bauteilübergänge keine Absätze haben wo keine geplant sind,
    und Leitungen kein Gegengefälle haben

Kurz:
Die Geometrie wird beherrschbar – auch im Bestand.


Einordnung

Wir ersetzen keinen Vermessungsingenieur.
Wir sorgen dafür, dass seine Arbeit im Projekt sinnvoll eingebettet ist und die Absteckung im Gesamtkontext funktioniert.